Eltern-Kind-Training

In enger Zusammenarbeit mit dem Jugendamt Friedrichshain-Kreuzberg haben wir eine Form der Gruppenarbeit konzipiert, welche durch eine intensive Elternberatung nach § 31 SGB VIII erweitert wird.

In unserer pädagogischen Praxis haben wir in den letzten Jahren einen deutlich zunehmenden Bedarf der Eltern nach Beratung und Unterstützung festgestellt und unsere bisherige Gruppenarbeit durch folgende Struktur ergänzt:

  1. Einmal wöchentlich Soziale Gruppenarbeit (Donnerstags 15:30 bis 18:30 Uhr)
  2. Elternberatung


Regelmäßige Gespräche der Fachkräfte mit den Eltern in den Räumlichkeiten des Alten Feuerwache e.V. (nach Bedarf werden die Gespräche mit nur der Mutter bzw. nur mit dem Vater oder gemeinsam mit dem Kind durchgeführt).

Eltern – Kind - Interaktion

Folgende Schlüsselprozesse sind dabei von großer Bedeutung:
  • Beteiligung der Eltern und Kinder/Jugendlichen bei der Planung und Durchführung der Hilfe
  • Transparenz gegenüber Eltern und Kindern/Jugendlichen in der Ausgestaltung der Erziehungsplanung
  • Gemeinsame Vereinbarung, Überprüfung und Anpassung von pädagogischen Zielen für einen benannten Zeitraum


Soziale Gruppenarbeit im Eltern-Kind-Training

Die Inhalte der sozialen Gruppenarbeit im Eltern-Kind-Training sind analog zu dem oben beschriebenen bisherigen Angebot, bis auf die Einschränkung, dass sich die Gruppe nicht zweimal, sondern nur einmal wöchentlich trifft.

Zusammengefasst lassen sich folgende Inhalte für das Gruppenangebot darstellen:

  • Durch Gruppenübungen wird die Bereitschaft, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen, erhöht.
  • Der Umgang mit Konflikten in der Gruppe wird geübt, gewaltfreie Lösungsmöglichkeiten werden aufgezeigt und gemeinsam trainiert.
  • Durch Angebote einer sinnvollen Freizeitgestaltung wird kritisch das bisherige Freizeitverhalten hinterfragt und es erfolgen Anregungen für alternative Möglichkeiten, um nachhaltige Verhaltensänderungen zu erreichen.
  • Auseinandersetzungen mit der Vielfalt der verschiedenen Lebenswelten werden thematisiert, Probleme benannt und Wege aufgezeigt.
  • In Einzelberatungen bieten wir die Möglichkeit über individuelle Anliegen zu sprechen.
  • Wir fungieren als Vermittler*innen zwischen Schule und Familie, um ein gegenseitig besseres Verständnis herzustellen.


Elternberatung im Eltern-Kind-Training

In Ergänzung zu der bisherigen Sozialen Gruppenarbeit kommt in der Neukonzeption der Arbeit mit den Eltern eine besondere Beachtung zu. Die Elterngespräche finden häufiger und vor allem verbindlicher statt.

Es gibt regelmäßige (alle zwei Wochen) Gespräche der Fachkräfte mit den Eltern in den Räumlichkeiten des Alten Feuerwache e.V.

Nach Bedarf werden die Gespräche mit nur der Mutter bzw. nur mit dem Vater und/oder gemeinsam mit dem Kind/ Jugendlichen durchgeführt.

In der langjährigen Arbeit mit den Eltern haben wir festgestellt, dass viele sich eine kompetente Hilfestellung wünschen, um die Erwartung an sie als Eltern besser meistern zu können. Häufig war ihnen nicht bewusst, wie und wodurch sie die Weiterentwicklung ihrer Kinder beeinflussen, fördern und lenken können. Oftmals sind eigene negative Erfahrungen der Eltern in ihrer Kindheit nicht reflektiert und verarbeitet worden und werden nun in die Erziehung unbewusst übertragen. Es bedarf häufig eines längeren und vorsichtigen Prozesses, die Eltern davon zu überzeugen, sich selbst in ihrer erzieherischen Kompetenz zu reflektieren, zu stärken und die Erkenntnisse auch umsetzen zu können. Dazu gehört eine genaue Analyse der persönlichen Situation, insbesondere ist es wesentlich, die vorhandenen Stärken und Fähigkeiten der Eltern herauszufinden und diese zu fördern und weiterzuentwickeln.

Die Verknüpfung der intensiven Elternberatung § 31 SGB VIII mit der sozialen Gruppenarbeit, § 29 SGB VIII hat große Synergieeffekte geschaffen.

Das Besondere beim Eltern-Kind-Training ist das direkte Feedback. Dadurch, dass die Fachkräfte wöchentlich die Kinder in der Gruppe erleben und der sehr regelmäßige Austausch mit den Eltern stattfindet, entsteht ein genaues Gespür für die Situation der Familien. So können die Einschätzungen aus den Elterngesprächen sehr zeitnah und direkt in die Soziale Gruppenarbeit transformiert werden und mit den Kindern bearbeitet werden. Umgekehrt können auch die Einsichten aus der Gruppenarbeit unmittelbar mit den Eltern diskutiert und systemisch in ein Gesamtbild gebracht werden.

Fragen wie z.B. wie verhält sich das Kind in der Gemeinschaft, wie wirkte es auf andere, wo sind die Stärken, woran muss noch genauer gearbeitet werden, können sogleich mit den Eltern besprochen werden.

Durch Beobachtung, Befragung und Reflexion mit den Kindern und gleichzeitig mit den Eltern konnten sehr gut unmittelbare Prozesse in der Entwicklung der familiären Konstellation in Gang gesetzt werden.


Wir nehmen eine Dekonstruktion der Problembeschreibung durch folgende Methodik vor:

  • Zirkuläre Fragen, die auf den vermuteten Standpunkt Dritter (auch Anwesender) abzielen
  • Skalenfragen zur Verdeutlichung von Unterschieden und Fortschritten
  • Herausarbeiten der positiven Aspekte von problematischen Sachverhalten
  • Reframing von Sachverhalten, um Bedeutungs- bzw. Interpretations-veränderungen anzuregen
  • Paradoxe Intervention, Verschreibung des problematischen Verhaltens, um Automatismen zu verändern
  • „Hausaufgaben“ diverser und individuell angepasster Art zur Erledigung zwischen den Sitzungen
  • Metaphernarbeit, Parabeln und Geschichten als Umgehungstechnik für potentielle Widerstände
  • Ausnahmen zum beklagten Sachverhalt erfragen, um die Änderbarkeit von als statisch angenommenen Sachverhalten zu verdeutlichen.

Eltern-Kind-Interaktion im Eltern-Kind-Training

Ergänzend zu den Gesprächen begleiten wir auch die Interaktionen zwischen Eltern und ihren Kindern. In regelmäßigen Abständen sind nachmittags und am Wochenende Aktionen und Aktivitäten geplant, um die Familien anzuregen, etwas gemeinsam zu unternehmen.

Die Fachkräfte stärken die Eltern darin, mit Ihren Kindern in Kontakt zu treten, indem sie den Interessen, Wünsche und Bedürfnisse der Kinder Beachtung schenken. Fragen wie: „Was mag Ihr Kind, woran hat es Spaß? Was unternehmen Sie gemeinsam?“ können von den Eltern oft nicht beantwortet werden. Häufig ist der Eltern-Kind-Kontakt durch Repressionen von Seiten der Eltern geprägt. Wir fördern positive gemeinsame Erlebnisse, der fachlich angeleiteten, freizeitpädagogischen Interaktion zwischen Eltern und Kindern wird große Bedeutung beigemessen.

Ziel ist es, die Eltern darin zu stärken, eine Beziehung zu ihren Kindern herzustellen. Durch Aktivitäten wie beispielsweise gemeinsames Kochen, gemeinsame Spiele etc. werden Anregungen für eine gemeinsame Freizeitgestaltung geschaffen. Wir setzten dabei an den vorhandenen Ressourcen an, um die Potentiale innerhalb der Familie auf- und auszubauen.

Vor allem ist es uns dabei wichtig, Angebote zu zeigen, die im Sozialraum vorhanden und mit geringen oder keinen Kosten verbunden sind. Deswegen stand insbesondere die Erkundung und Information von Projekten und Einrichtungen im Sozialraum im Vordergrund. Ziel war dabei eine möglichst nachhaltige Anbindung an die bestehen Angebote in der Region zu erreichen.

In Abgrenzung zum Eltern-Kind-Training bietet das ElternCoaching als Trainingsprogramm, Herangehensweisen und Methoden, welche eine besonders intensive Arbeit mit den Eltern erfordern, die das Eltern-Kind-Training nicht leisten kann.